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Stunksitzung 2011

Bläcke Bläck Fööss, böser Bischof

Erstellt 09.01.11, 18:29h, aktualisiert 11.01.11, 13:25h

Eine Hommage zum 40-jährigen Bestehen der Bläck Föös, Bruno Schmitz gnadenlos böse als der der Augsburger Bischof Walter Mixa, „OB Dingsbums“, der Weg zum Erfolg der SPD und vieles mehr auf der Stunksitzung 2011.

Stunksitzung, Dreigestirn
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Auch das Dreigestirn war da. (Bild: Stefan Worring)
Stunksitzung, Dreigestirn
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Auch das Dreigestirn war da. (Bild: Stefan Worring)
Köln - Was haben Walther von der Vogelweide und die Bläck Fööss gemeinsam? „Beide sind 840 Jahre alt. Der eine wirklich - die anderen im Gesicht.“ Ein bisschen böse kündigte Präsidentin Biggi Wanninger die Hommage zum 40-jährigen Bestehen der Band an. Was folgte, war der Höhepunkt der diesjährigen Stunksitzung - eine Liebeserklärung an die Fööss. Mit echt „bläcken“ (nackten) Füßen als Musiker-Köpfen treten sie ausnahmsweise mit Voll-Playback auf - ein mit Ovationen gefeierter Hit.

Sympathisch werden auch die Roten Funken dargestellt, die nach ihrer China-Reise nun als rote Shaolin-Funke mit einem Hütchenspieler-Tanz auf einer Riesen-Wippe die Vereinigung von Karneval und Kamikaze proben. Doch schon ihre Mitreisenden kommen nicht halb so gut weg. Oberbürgermeister Jürgen Roters („OB Dingsbums“), dessen Namen sich nicht einmal er selbst richtig merken kann, blickt auf ein sensationelles erstes Amtsjahr zurück: „Kein einziger U-Bahn-Tunnel ist eingestürzt!“ Und Henning Krautmacher von den Höhnern („Jetzt wird geschunkelt. Sonst hol ich die Stasi!“) tut sich im Fernen Osten ebenfalls schwer.

Auch sonst bleibt kaum jemand verschont. Die SPD kann die nächste Bundestagswahl nur gewinnen, „wenn jedes Vorstandsmitglied mindestens 20 Organe spendet“. Die Zahl der Gebote Gottes reduziert sich unter dem Einfluss alt-testamentarischer Lobbyisten wie „Adam Opel aus der Stadt Astra im Lande Safira“ von zehn auf eins, weil Verbote von Lügen und Stehlen Ärger mit der Finanzwirtschaft bedeuten würden. Thilo Sarrazin fürchtet in der Talkshow „Schwarz aber fair“ mit einem selbstverliebten Jupp Plasberg um die Integration in Köln-Poll, wo eine Parallelgesellschaft ohne Baströckchen, „die bereits in dritter Generation ungeschminkt herumläuft“, die Anhänger der „KG Poller Negerköpp“ in Angst und Schrecken versetzt.

Gnadenlos böse: der Augsburger Bischof Walter Mixa in Gestalt von Stunker Bruno Schmitz hat im „Klosterstübchen der Abtei Maria hilf, mein Glas ist leer“ mal wieder seine Hobby zum Beruf gemacht. „Erst die Kinder, und jetzt den Wein. . .“ Probiert werden so fragwürdige Tropfen wie ein „98er Pfälzer Prügelknabe“ oder „Weinbrand, so weich wie ein Kinder-Popo“. Damit könne man sich die „Messdiener schön saufen“, ganze Trakte in Gefängnissen seien ja voll von Priestern und hießen schon R.A.F. - „Römisch-katholischen Analfraktion.“ Da geht ein Raunen durch das E-Werk. Und Präsidentin Wanninger erklärt in der Abmoderation: „Nach dem Proben dieser Nummer ist ja vor ein paar Tagen der Klöppel vom dicken Pitter im Dom runtergekommen.“

Etwas moderater wird Angela Merkel in der Schuldenfalle von Berater Peter Zwegat zurecht gewiesen: „Ein eigenes Volk, das rechnet sich bei Ihnen nicht.“ 1,8 Billionen Euro Schulden. Das sei eine Zahl mit elf Nullen. „Ich könnte den Pofalla entlassen, das wär schon mal eine Null weniger“, kontert die Kanzlerin. Doch wie weiter an Geld kommen? „Der Philipp Rösler , der ist doch Vietnamese. Der könnte Zigaretten für mich schmuggeln.“ Zudem eröffnet sie ein politisches „Trullala“-Kasperle-Theater mit Westerseppl, der einen Strick geschenkt bekommt. „Das bisschen Viza-Trulla kann ich selber.“

In der Fernseh-Sendung „Funken suchen ein Zuhause“ hat ein Exemplar - dieses Mal ein blaues -, ausgesetzt an Aschermittwoch, keinen Benimm, aber Durst. „Willste Kölsch? Dann mach schön Stippefott“, heißt es da. Das Bild ist inzwischen zwar arg überstrapaziert, aber trotzdem lustig. Im Krätzchen „Ki-Ka- Kachelmann “ erklären Ecki Pieper , Georg Kunz und Carlos Neisel , wie sich Fliesen vermehren. Und die neue Karnevalsgesellschaft „Frohsinn 90 / Die Grünen“ veranstalten ihren ersten Kostümball - mit politisch korrektem Vokabular („Einwanderung“ statt „Einmarsch“) und Liedgut wie von Bettina Wegener („Sind so kleine Gläser“) oder den Strahlenden Pastorentöchtern .

Religiös geht es auch mit „Gotters Mutter“ ( Doro Egelhaaf ) zu, die ihrem Enkel „Jesus, Liebchen“, der zu ihr auf den Schoß will („Allah, hopp!“), das Zanken mit Cousin Mohammed verbietet. Aber auch diesen weist sie zurecht: „Wer nix weiß, muss alles glauben. Es würde schon helfen, Du tätest Lesen und Schreiben lernen.“ Und Bedürftige bekommen kein „Hartz IV“ mehr, sondern „Elch 5“: Sie wohnen ab sofort bei Ikea, kriegen ein Starter-Set mit Teelichtern und „Köterbuletten“ und dürfen die Bällchen nach Farben sortieren. Sind sie damit fertig, heißt es: „So und jetzt alles wieder ins Bälle-Bad.“

Höhepunkt zum Schluss ist eine Rede von Wanninger als Karnevalspräsident, der einen „Zugweg 21“ fordert: Eine neue Route durch einen Tunnel, gezogen von einem Transrapid statt Treckern. „Die Motivwagen sind doch schon seit Jahren unterirdisch, da ist es doch nur logisch, dass der Zugweg auch unterirdisch verläuft.“ Dauern würde dieser mit neuer Geschwindigkeit nur noch zehn Minuten. „Dann hätte auch das uninspirierte Gequatsche im WDR endlich ein Ende.“ Ungeplante Zugaben bleiben den Premierenbesuchern aufgrund fehlender Spontanität leider verwehrt, das Finale gerät mit einer Menschenbild-Nummer, die eher auf einen evangelischen Kirchentag passt als in den Karneval, etwas müde. Doch alles in allem bieten die Stunker auch in diesem Jahr einen sehr unterhaltsamen Abend

Die Stunksitzung ist ausverkauft. Im WDR ist sie am 3. März, 22 Uhr, zu sehen.



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